• Oktober 30, 2019

Eine praktische Wahl

Eine praktische Wahl

Eine praktische Wahl 1024 683 Choose Paper

Einzelhändler bieten anstelle von Papierbelegen immer häufiger digitale Quittungen an – entspricht das wirklich den Wünschen der Verbraucher? Wir finden es heraus.

Wie die meisten Branchen durchläuft auch der Einzelhandel gerade einen tief greifenden Wandel auf mehreren Ebenen: Der Trend zum Online-Shopping, der Niedergang klassischer Ladengeschäfte, ethische Bedenken hinsichtlich Produkten und Materialien – jeder Markenartikler hat eine eigene Liste von Problemen, die es zu bewältigen gilt. Ein Thema, das langsam an Bedeutung gewinnt, ist die Frage nach der Verwendung von Papierquittungen oder digitalen Quittungen.

Seit den allerersten Geschäftstransaktion vor vielen Jahrhunderten sind Papierquittungen ein unwiderlegbarer Kaufnachweis, verbunden mit vielfältigen Rechtsansprüchen für Verbraucher und auch Einzelhändler. Streitigkeiten lassen sich damit schnell und einfach beilegen; Kunden erhalten durch einen Papierbeleg unmittelbar ein Gefühl der Sicherheit.

Immer häufiger werden Verbrauchern aber statt Bons aus Papier digitale Quittungen angeboten, verbunden mit der Behauptung, der Einzelhandel leiste damit einfach einen Beitrag zum Umweltschutz. Natürlich bringen digitale Quittungen klare Kosteneinsparungen für Einzelhandelsunternehmen – sind digitale Quittungen aber wirklich das, was die Kunden wünschen?

Kundenpräferenzen

Um die Meinungen von Verbrauchern zu Papierbelegen und digitalen Quittungen zu untersuchen, befragte das unabhängige Marktforschungsunternehmen Toluna im Rahmen einer weltweiten Studie 8.883 Verbraucher in Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden, Großbritannien und den USA. In der Umfrage ging es um die Einstellungen zu Papierbelegen und digitalen Quittungen sowie um Vorlieben, Sorgen und Umweltbedenken. Die Ergebnisse werfen ein faszinierendes Schlaglicht auf das, was die Menschen wirklich von Papierbelegen und digitalen Quittungen halten. Bei Einzelhändlern, die am Point of Purchase eine Verlagerung Richtung online anstreben, sollte die Studie Pflichtlektüre sein.

„58 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Papier bevorzugen, und 64 Prozent stuften Papierquittungen im Vergleich zu digitalen Belegen als praktischer ein.“

Die Schlüsselfrage der Studie: Präferieren Verbraucher Papierquittungen oder digitale Quittungen? Dazu gaben 58 Prozent der Befragten an, dass sie Papier bevorzugen, und 64 Prozent stuften Papierquittungen im Vergleich zu digitalen Belegen als praktischer ein, wenn Waren umgetauscht oder zurückgegeben werden müssen. Betrachtet man die einzelnen Länder, zeigt sich in den USA mit 71 Prozent die stärkste Präferenz für Papier; Großbritannien folgt dicht dahinter mit 69 Prozent.

Digitale Sicherheit und Datenschutz

Durch die Bank bestehen Bedenken hinsichtlich der Übermittlung von personenbezogenen Daten, etwa der E-Mail-Adresse, an Einzelhandelsunternehmen. Unerwünschte Werbung und digitale Sicherheit sind dabei zwei große Problembereiche. Insgesamt sorgen sich 62 Prozent der befragten Verbraucher, dass ihre elektronisch gespeicherten personenbezogenen Daten gehackt, gestohlen oder beschädigt werden beziehungsweise verloren gehen könnten; 56 Prozent befürchten, dass ihre Transaktionshistorie für nicht erwünschte Werbezwecke eingesetzt werden könnte.

Diese Ergebnisse decken sich mit denen einer aktuellen generationsübergreifenden Untersuchung von Adobe, der zufolge sich 93 Prozent aller Verbraucher in Großbritannien darüber Sorgen machen, wie ihre Daten von Markenartiklern verwendet werden. „Über alle Generationen hinweg müssen Markenartikler Vertrauen aufbauen, indem sie offen über ihre Verwendung von personenbezogenen Daten informieren“, findet Gavin Mee, Vice President für die EMEA-Region bei Adobe.

Umweltsorgen

Die durchgeführte Umfrage ergab zwar, dass Verbraucher deutlich mehr Vertrauen in Papierquittungen setzen als in digitale Quittungen, deckte aber auch einige Bedenken hinsichtlich der Umwelt auf: 41 Prozent der Befragten meinen, dass Papier schlecht für die Umwelt ist, und 55 Prozent sind der Ansicht, dass für Papierquittungen übermäßig viel Papier verbraucht wird.

Die Auffassungen zu den Umweltauswirkungen von Papierquittungen stimmen größtenteils mit denen zu Papier im Allgemeinen überein: Menschen denken dabei an Waldzerstörung, Wasserverbrauch, Treibhausgasemissionen und den entstehenden Papierabfall. Tatsächlich ist Papier aber eines der nachhaltigsten Materialien, die es gibt: Die Recyclingquote ist hoch (in Europa liegt sie aktuell bei 73 Prozent), und die zur Papierherstellung verwendeten Bäume stammen aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. (Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite www.choosepaper.org/forestry.)

Recht auf Wahlfreiheit

Im Laufe der nächsten Jahre werden Verbraucher, Unternehmen und Organisationen über die Vor- und Nachteile von Papierquittungen und digitalen Quittungen diskutieren. Das Thema wird aus allen Blickwinkeln betrachtet werden, und sicher werden dabei neuartige Verfahren zum Erbringen des Kaufnachweises aufkommen. Als eines der wichtigsten Ergebnisse hat die Umfrage aber ergeben, dass Verbraucher weiter selbst darüber entscheiden möchten, in welcher Form sie ihren Beleg erhalten. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Verbraucher wären unzufrieden, wenn Geschäfte keine Papierquittungen mehr anbieten, und 41 Prozent würden Einzelhändlern ohne Papierquittungen nicht vertrauen.

Wie lautet also die Antwort? Verbraucher sollten die Wahl haben – sie wissen selbst am besten, was das Richtige für sie ist.