• Oktober 30, 2019

Papierquittungen und die Umwelt – die Fakten

Papierquittungen und die Umwelt – die Fakten

Papierquittungen und die Umwelt – die Fakten 1024 683 Choose Paper

Nachhaltigkeit zählt zu den häufigsten Argumenten für elektronische Quittungen. Die Fakten zu Papier und Papierherstellung ergeben jedoch ein anderes Bild.

Schon bemerkt? Eine Debatte über die Umweltauswirkungen von Papier ist weltweit in vollem Gang. In der Medien- und Werbewelt wird schon seit Jahren heftig diskutiert, was nun besser für die Umwelt ist: gedruckte Zeitungen, Zeitschriften, Kataloge und Mailings oder ihre digitalen Alternativen?

Spontan meinen die meisten Menschen: „klarer Fall, natürlich digital!“ Dringt man aber etwas tiefer in die Fakten zu Recycling, Forstwirtschaft und Elektroschrott vor, verlagert sich die Argumentation hin zum Papier. Auf ganz ähnliche Weise wird nun auch über Kassenbons aus Papier diskutiert.

Kleines Papier – aber oho!

Im britischen Einzelhandel werden jährlich mehr als 11,2 Milliarden Quittungen gedruckt – einige bei alltäglichen Besorgungen, andere bei großen Anschaffungen. In jedem Fall handelt es sich um wichtige, rechtsverbindliche Dokumente, die Verbrauchern vielfältige Rechte einräumen. Hinzu kommt noch, dass sich Ausgaben anhand gedruckter Quittungen besser nachverfolgen lassen, um beispielsweise Schulden zu vermeiden.

 „Die Waldflächen in Europa sind in den vergangenen zehn Jahren um 44.000 km2 gewachsen – das entspricht 1.500 Fußballfeldern täglich.“

Einzelhändler sind sich über den Nutzen von Papierquittungen durchaus im Klaren – für die Kunden wie auch sie selbst. Dennoch bringen sie nun verstärkt E-Quittungen ins Spiel, die per E-Mail an die Kunden gehen. Genau wie Banken, Energieversorger und Telekommunikationsdienstleister, die Kontoauszüge und Rechnungen digitalisieren möchten, berufen sie sich auf die Umwelt als Hauptargument. Doch was ist wirklich daran an dieser Argumentation?

Wahrnehmung und Wirklichkeit

Das für Digitalisierung angeführte Hauptargument lautet, Papier schade dem Wald. Nach einer europaweiten Umfrage des Marktforschers Toluna glauben 60 % der Verbraucher, dass die Waldflächen in Europa schrumpfen. Tatsächlich aber sind sie in den vergangenen zehn Jahren um 44.000 km2 gewachsen – das entspricht 1.500 Fußballfeldern täglich. Zudem fließen nur 13 % der weltweiten Holzernte in die Papierproduktion – weitaus größere Anteile entfallen auf die Gewinnung von Brennstoff (50 %) und Nutzholz (28 %).

Papier zählt zu den weltweit meistrecycelten Materialien: In Europa liegt seine Recyclingquote bei 73 % – nahe am realisierbaren Höchstwert von 78 %. Und auch die Papier- und Druckindustrie selber zeigen sich äußerst umweltfreundlich: Gerade einmal 1 % der weltweiten CO2-Emissionen wird von ihnen verursacht, und die Anteile erneuerbarer Energien in Zellstoff- und Papierfabriken sind äußerst hoch. Der Strombedarf der europäischen Papierindustrie wird zu über 58 % vor Ort gedeckt; Wasser wird in verschiedenen Werksprozessen und Anlagen mindestens zehnmal aufbereitet und wiederverwendet.

Wachsendes Elektroschrottproblem

Während die Papierindustrie zu den weltweit nachhaltigsten Branchen zählt, gibt die Elektronikindustrie verstärkt Anlass zu Umweltsorgen. Elektroschrott fällt nicht nur in großen Mengen an (2016 waren es 18,2 Millionen Tonnen in Asien, 12,3 Millionen Tonnen in Europa, 11,3 Millionen Tonnen in Nord- und Südamerika), sondern enthält auch unterschiedlichste Gefahrstoffe, darunter Quecksilber, Blei, Cadmium und Fluorchlorkohlenwasserstoffe.

Da die Anzahl der elektronischen Geräte exponentiell wächst und ihre Lebensdauer kurz ist, dürfte sich das Problem künftig noch verschärfen. Ein Smartphone wird in den USA, in China und im EU-Gebiet in der Regel nach 18 bis 24 Monaten ersetzt. Prognosen für das Jahr 2025 beziffern den Anteil der Informations- und Kommunikationstechnologie am Gesamtenergieverbrauch weltweit mit 9 bis knapp 21 %.

Millionen Menschen in aller Welt machen sich große Sorgen um die Umwelt – das stimmt optimistisch. Ganz klar muss auf allen Ebenen der Gesellschaft viel getan werden, um eine Klimakatastrophe abzuwenden. Bevor aber E-Mails an die Stelle der kleinen Papierquittungen treten, sollte man sich die Fakten genau ansehen.