• Oktober 30, 2019

Thermopapier aus wissenschaftlicher Sicht

Thermopapier aus wissenschaftlicher Sicht

Thermopapier aus wissenschaftlicher Sicht 1024 683 Choose Paper

Entdecken Sie die Funktionsweise von Thermopapier und die neuesten Entwicklungen hin zu nachhaltigen Lösungen für Papierquittungen.

Wenn man für alles, was man kauft, einen Beleg erhält, ist das ein beruhigender – und in einigen Fällen unverzichtbarer – Kaufnachweis. Die meisten Menschen denken aber nicht darüber nach, wie fortschrittlich die Technologie zum Drucken der vordergründig einfachen Kassenzettel eigentlich ist.

Zunächst einmal muss man wissen, dass in den meisten Kassen rund um den Globus keinerlei Tinte vorhanden ist. Die Quittungen werden durch direkte, fokussierte Wärmeübertragung von kleinen Heizelementen in den elektronischen Kassen auf spezielles Thermopapier gedruckt. Dieses Papier ändert bei Wärmeeinwirkung seine Farbe, sodass Wörter, Zahlen, Strichcodes und sogar Bilder sichtbar werden können.

Ob beim Kassenbon vom Lebensmitteleinkauf, bei Selbstklebeetiketten, Paketaufklebern, Lottoscheinen oder jeglichen anderen Papierelementen, die gut lesbar bedruckt werden müssen – Thermopapier ist die schnellste, leiseste und wirtschaftlichste Lösung dafür.

Naturwissenschaftliches

Bei den gängigsten Arten von Thermopapier entsteht die „aufgedruckte“ Farbe mittels einer durch Wärme katalysierten chemischen Reaktion. Die Oberfläche des Thermopapiers ist mit einer Substanz beschichtet, die farblos oder farbig sein kann. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Fluoran-Leukofarbstoff handeln. Zusätzlich ist eine Säure vorhanden. Wenn diese Mischung über den Schmelzpunkt hinaus erhitzt wird, tritt die Farbe hervor und wird stabilisiert, sodass eine kleine Markierung entsteht. Mit ausreichend vielen dieser Markierungen an den richtigen Stellen entsteht eine Quittung.

Da sich die chemische Reaktion auf das Papier beschränkt und die Kassengeräte zur Erstellung des Belegs lediglich Wärme übertragen, handelt es sich um ein relativ einfaches Verfahren mit hoher Zuverlässigkeit. Tinte wird dabei nicht gebraucht. Auch läuft dieser Vorgang sehr schnell ab – die Zeiten, in denen man das schwerfällige Ausdrucken in einer Schlange an der Supermarktkasse abwarten musste, sind lange vorbei.

Thermopapier und Gesundheit

In letzter Zeit sind einige Fragen zu der von Papierquittungen ausgehenden Gesundheitsbelastung aufgekommen. Früher wurden viele Thermopapiere mit Bisphenol A (BPA) beschichtet. Aufgrund von Gesundheitsrisiken wurde diese Chemikalie für die Verwendung in einigen Kunststoffprodukten verboten.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und auch die Gesundheitsbehörde Health Canada gehen allerdings davon aus, dass von dem in Papierquittungen vorkommenden BPA für Verbraucher jedes Alters bei einer Exposition auf dem derzeitigen Niveau keinerlei Gesundheitsrisiko ausgeht.

Obwohl die BPA-Exposition durch Thermopapier extrem gering ist, unterbinden neue EU-Gesetze vom 1. Januar 2020 an die Verwendung von BPA bei der Herstellung von Thermopapier. In den USA verwenden die Hersteller von Quittungspapier kein BPA, und die meisten US-Importeure führen kein Papier mit BPA-Beschichtungen ein.

Neue Produkte

Mittlerweile sind einige unterschiedliche Quittungspapiersorten auf dem Markt, darunter auch BPA-freies Thermopapier, bei dem BPA durch Bisphenol S (BPS) ersetzt wurde, sowie phenolfreies Thermopapier, bei dem der in den Beschichtungen verwendete Farbentwickler weder BPA noch BPS enthält.

Auch der weltweit tätige Papierhersteller Koehler hat ein umweltfreundlicheres Thermopapier entwickelt: Das unter dem Namen Blue4est® erhältliche Produkt wurde für seine Umweltfreundlichkeit mit dem U.S. EPA Presidential Green Chemistry Award 2017 ausgezeichnet. Blue4est® ist ein nachhaltiges Thermopapier ohne chemische Entwickler. Es kann problemlos in allen gängigen Thermodruckern verwendet werden. Die Schriftentwicklung erfolgt bei Blue4est nicht infolge einer chemischen Reaktion auf Hitze, sondern durch rein physikalische Reaktion. Das Thermopapier ist für den direkten Lebensmittelkontakt zugelassen und bietet einen 35 Jahre lang haltbaren Ausdruck.

Nachhaltige Zukunft

Der Schlüssel zur Zukunft des Thermopapiers liegt in seiner Nachhaltigkeit. Aus einer kürzlich veröffentlichten weltweiten Studie des Marktforschungsunternehmens Toluna geht klar hervor, dass Verbraucher Papierquittungen gegenüber elektronischen Quittungen bevorzugen. (58 Prozent der Befragten präferieren Papier, und 64 Prozent gaben an, dass sie Papierquittungen praktischer finden.) Darüber hinaus gehört Papier zu den weltweit meistrecycelten Materialien, und die Papierindustrie ist stolz auf ihre Umweltfreundlichkeit.

Die Entwicklung von Thermopapierlösungen, die auf physikalischen statt chemischen Verfahren basieren, schreitet rasant voran – so stehen den Herstellern von Papierquittungen erfolgreiche Zeiten bevor.